Tour de France
Die Tour de France gilt als schwerste Radrundfahrt der Welt. Nirgendwo kämpfen die Fahrer härter als bei der Tour; schließlich ist sie – nach Fußball-Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen – die weltweit drittgrößte Sportveranstaltung.
400 Kilometer am Tag
1903 fand die Tour de France erstmals statt. 60 Fahrer starteten am 1. Juli in Paris zum ersten Etappenrennen der Radsport-Geschichte. Über Lyon, Marseille, Toulouse, Bordeaux und Nantes fuhren sie zurück nach Paris und bewältigten dabei fast 2500 Kilometer, täglich also über 400 Kilometer – eine heute unvorstellbare Strecke, die sie zudem mit Eingangrädern und auf Kopfsteinpflaster oder Viehwegen zurücklegten. 1905 kam die erste Bergetappe in den Vogesen dazu, fünf Jahre später ging es ins Hochgebirge, in die Pyrenäen (1910) und die Alpen (1911). Damit war die Tour endgültig ein Mythos. Heute bewältigen die Fahrer in rund 20 Etappen etwa 3500 Kilometer. Die Tour führt zunächst durch den flachen Norden Frankreichs, ein Eldorado für Sprinter, bevor es Mitte der zweiten Woche ins Hochgebirge geht; hier wird die Tour meist entschieden. Streckenführung und Etappenorte wechseln jährlich, es wird auch im benachbarten Ausland gefahren – die erste Auslandsetappe führte bereits 1904 durchs damals deutsche Elsass. Einzig die Zielankunft ist immer in Paris. Und auch gewisse Pässe stehen bei praktisch jeder Tour auf dem Programm, allen voran die „Heiligen Vier“, die Fahrer zu tragischen Helden oder heroischen Siegern machen.
Acht Sekunden zwischen Sieg und Niederlage
Seit 1919 fährt der Gesamterste der Tour jeweils im „Gelben Trikot“, dem „Maillot Jaune“. Am längsten, während 96 Etappen, trug Eddy Merckx das Leadertrikot. Sieben Tour-Siege fuhr Lance Armstrong zwischen 1999 und 2005 ein, jeweils fünf Siege erreichten Jacques Anquetil (1957 und 1961 – 1964), Eddy Merckx (1969 – 1972 und 1974), Bernard Hinault (1978/1979, 1981/1982 und 1985) sowie Miguel Induráin (1991 –1995). Joop Zoetemelk schaffte es zwar nur einmal, 1980, ganz zuoberst aufs Treppchen, er stand aber sieben Mal auf dem Podest und fuhr die Tour insgesamt 16 Mal, wobei er immer in Paris ankam. Den knappsten Ausgang gab es bei der Tour von 1989; Greg Lemond gewann mit acht Sekunden Vorsprung. Den besten Sprinter im Feld erkennt man seit 1953 am Grünen Trikot, seit 1975 fahren der beste Bergspezialist im rotweiß gepunkteten und der beste Jungprofi im weißen Trikot. Die Tour lebt Die Tour de France wurde 1903 von der Sportzeitung L’Auto ins Leben gerufen. Als diese nach der Befreiung Frankreichs 1944 eingestellt wurde, gründete der damalige Chefredaktor und Tourdirektor Goddet zwei Jahre später die neue Sportzeitung L’Équipe, und diese übernahm erneut die Tour-Organisation. 1998 schluckte die Amaury-Verlagsgruppe die Zeitung und die Organisation der Tour ging auf die Amaury Sport Organisation (ASO) über. Obwohl die Tour in jüngster Zeit von immer neuen Dopingskandalen erschüttert wurde, hat sie weder bei den Fahrern noch bei den Zuschauern an Beliebtheit verloren.